Bioenhancer – Natürliche Verstärkung für die Gesundheit

Bioenhancer – Natürliche Verstärkung für die Gesundheit

Bioenhancer – Natürliche Verstärkung für die Gesundheit

Bioenhancer haben in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit gewonnen.[1] Der Hintergrund für die Begeisterung für die überwiegend aus Pflanzen gewonnen Substanzen ist ihre Fähigkeit, die Bioverfügbarkeit und Effizienz von Medikamenten deutlich zu steigern.

Das Konzept entstammt dem indischen Ayurveda, welches bereits seit Jahrhunderten die Fähigkeit von Pflanzen wie langem Pfeffer (Piper longum) zur Verstärkung von Wirkstoffen einsetzt.[2] Bose berichtete 1929 erstmals darüber, dass langer Pfeffer den antiasthmatischen Effekt von Vasaka-Blättern verstärkt.[3] Etabliert wurde der Begriff schließlich fünfzig Jahre später von indischen Wissenschaftlern durch ihre Entdeckung und Validierung von Piperin als Bioenhancer.[4]

Vielfältige Wirkungsverbesserer

Bei der oralen Einnahme von Medikamenten stellt sich das Problem, dass sie vor ihrer Ankunft im systematischen Kreislauf zunächst Darmwand und Leber passieren müssen. Dort werden sie bereits von Enzymen wie CYP3A4 verstoffwechselt („First Pass Metabolismus“), bevor angemessene Plasma-Konzentrationen erzielt werden können.[5] Bioenhancer unterdrücken diese wirkstoffabbauenden Enzyme und schränken zudem u. a. die Darmproduktion von Glucuronsäure ein, so dass eine aktivere Form des Medikaments im Körper wirken kann.[6] Werden Medikamente also gleichzeitig mit Bioenhancern eingenommen, erhöht sich ihre Bioverfügbarkeit – d. h. der Wirkstoff steht dem Körper in einem höheren Ausmaß zur Verfügung und ist somit effizienter.[7]

Bioenhancer können eingesetzt werden, um Arzneimittel wie z. B. Antibiotika, Antimykotika sowie antivirale oder Antikrebs-Medikamente in ihrer Wirkung zu verstärken. Aber auch die orale Absorption von Vitaminen, Mineralien oder Aminosäuren wird durch Bioenhancer verbessert.[8]

Piperin

Der aktive Wirkstoff in langem Pfeffer ist Piperin. Es ist der erste und auch stärkste bekannte Bioenhancer.[9] Das Medikament Risorin kombiniert gezielt das Anti-Tuberkolose-Medikament Rifampicin mit Piperin und Isoniazid, da durch das Piperin die Dosis des Rifampicins um ca. 60 % (von 450 mg auf 200 mg) reduziert werden konnte.[10] Auch Nährstoffe profitieren von einer Piperin-Zugabe. In einer Studie nahmen Probanden Beta-Carotin entweder zusammen mit einem Placebo oder aber mit Piperin ein. Hier konnte Piperin eine AUC-Zunahme von 60 % erzielen.[11] Kombiniert man Piperin mit Curcumin wird dessen Bioverfügbarkeit sogar um 2000 % erhöht.[12] Darüber hinaus hat Piperin weitere positive Eigenschaften – so wirkt es z. B. entzündungshemmend[13], fiebersenkend oder antitumoral[14].

Curcumin

Trotz seiner eigenen schlechten Bioverfügbarkeit ist das Flavanoid der Kurkuma-Pflanze in der Lage, die Bioverfügbarkeit von Medikamenten zu steigern[15]. Es wirkt zudem u. a. antikanzerogen[16] und – wie Piperin – entzündungshemmend.[17]

Seine Wirkkraft zeigt sich auch z. B. im Kontext rheumatischer Arthritis. Im Zuge einer achtwöchigen Studie nahm eine Patientengruppe das Medikament Diclofenac Sodium, eine andere Curcumin und eine weitere eine Kombination von beidem ein. Die Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich diverser Kategorien zeigte, dass die Kombination mit leichtem Abstand am effektivsten war – dicht gefolgt vom Curcumin. Das Medikament allein schnitt insgesamt am schlechtesten ab. Zudem wurde festgestellt, dass Curcumin deutlich effektiver gegen Schmerzen half als das Diclofenac.[18]

Gewinnende Vorteile

Sowohl Hersteller als auch Patienten können durch die Nutzung von Bioenhancern profitieren. Aufgrund der erhöhten Effizienz kann die Dosis des Medikaments verringert werden – als Resultat sinken die Toxizität des Medikaments und somit auch das Risiko bzw. Ausmaß von Nebenwirkungen. Die Produktion bedarf zudem weniger Rohstoffe, so dass die Kosten für die Medikamente gesenkt werden können.

Quellen

[1] Atal, N.; Bedi, K.L. (2010): Bioenhancers – Revolutionary concept to market. Journal of Ayurveda & Integrative Medicine; 1:96-99.

[2] Singh S.; Tripathi, J. S.; Rai, N. P. (2016): An appraisal of the bioavailability enhancers in Ayurveda in the light of recent pharmacological advances. AYU 37:3-10.

[3] Bose KG (1929): Pharmacopoeia India. Calcutta, India: Bose Laboratories.

[4] Atal C.K. (1979): A breakthrough in drug bioavailability – a clue from age old wisdom of Ayurveda. I.D.M.A. Bulletin;10:483–4.

[5] Hetal, T.; Bindesh, P.; Sneha, T. (2010): A Review on techniques for oral bioavailability enhancement of drugs. International Journal of Pharmaceutical Sciences Review and Research 4(3) 203-223.

[6] Atal, N.; Bedi, K.L. (2010): Bioenhancers – Revolutionary concept to market. Journal of Ayurveda & Integrative Medicine; 1:96-99.

[7] Randhawa, G. K.; Kullar, J. K.; Rajkumar (2011): Bioenhancers from mother nature and their applicability in modern medicine. International Journal of Applied and Basic Medical Research 1(1):5-10.

[8] Dudhatra, G. B.; Mody, S. K.; et al. (2012): A Comprehensive Review on Pharmacotherapeutics of Herbal Bioenhancers. The Scientific World Journal 2012:637953.

[9] Atal, N.; Bedi, K.L. (2010): Bioenhancers – Revolutionary concept to market. Journal of Ayurveda & Integrative Medicine; 1:96-99.

[10] Chawla P.C. (2010): Resorine A novel CSIR drug curtails TB treatment. CSIR news 60:52–4.

[11] Badmaev, V.; Majeed, M.; Norkus, E. P. (1999): Piperine, an alkaloid derived from black pepper increases serum response of beta-carotene during 14-days of oral beta-carotene supple- mentation. Nutrition Research, vol. 19, no. 3.

[12] Shoba, G.; Joy D.; et al. (1998): Influence of Piperine on the Pharmacokinetics of Curcumin in Animals and Human Volunteers. Planta Med.: 64(4):353-6.

[13]: Mujumdar, A. M.; Dhuley, J. N.; et. al. (1990): Anti-inflammatory activity of piperine. Japanese Journal of Medical Science and Biology, vol. 43, no. 3, pp. 95-100.

[14] Parmar, V. S.; Jain, S. C.; Bisht K. S.; et al. (1997): Phytochemistry of the genus Piper. Phytochemistry, vol. 46, no. 4, pp. 597–673.

[15] Zhang W, Tan TM, Lim LY. (2008): Effects of spice constituents on P-glycoprotein-mediated transport and CYP3A4-mediated metabolism in vitro. Drug Metabolism and Disposition 36(7):1283–1290.

[16] Mahady, G. B.; Pendland, S. L.; Yun, G; Lu, Z. Z. (2002): Turmeric (Curcuma longa) and curcumin inhibit the growth of Helicobacter pylori, a group 1 carcinogen. Anticancer Res. 22 (6C): 4179– 81

[17] Basnet, P.; Skalko-Basnet, N. (2011): Curcumin: An Anti-Inflammatory Molecule from a Curry Spice on the Path to Cancer Treatment. Molecules 16:4567-4598.

[18] Chandran, B.; Goel, A. (2012): A Randomized, Pilot Study to Assess the Efficacy and Safety of Curcumin in Patients with Active Rheumatoid Arthritis. Phytotherapy Research 26(11):1719-25.

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